Wir empfehlen Ihnen sehr, den Film selbst auf youtube anzusehen: Sugar – the bitter truth
Hier nochmal der ausgeschriebene Link: https://www.youtube.com/watch?v=dBnniua6-oM

Der eineinhalbstündige Vortrag von Prof. Lustig ist hier zusammengefasst.

 

Wir essen heute alle mehr Kalorien als früher und zwar v.a. mehr Kohlenhydrate (nicht Fett!). Seit das bekannt wurde kamen immer mehr low-fat Produkte auf den Markt und damit nahm interessanterweise die Übergewichtigkeit nur noch mehr zu.

Die Frage ist also- welche Kalorien nehmen wir in zu großen Mengen zu uns?
Soft Drinks haben in den letzten Jahren um 41% zugenommen, Fruit Drinks um 35%. Das ist zwar nichts neues, aber auch die Produkte, die heute konsumiert werden haben sich in Ihrer Zusammensetzung verändert.

Beispiel Coca Cola:
Diese enthält neben Zucker auch Salz, man wird also auch durstig! Und er Zucker verschleiert den salzigen Geschmack. Das würde ja sonst keiner trinken. Irgendwann gab es die ‚New Coce‘- mit noch mehr Salz und Coffein.

Zusammenhang zwischen Soft Drinks und Übergewichtigkeit
Viele Metaanalysen zeigen einen signifikanten Zusammenhang. Eine Zunahme von Adipositas um bis zu 60%.

Versuch: “Soda-Machines out of Schools” à deutliche Effekte auf das Gewicht der Kinder! Es kam zu einer klaren Rückläufigkeit der Übergewichtigkeit!

Ebenso konnte ein Zusammenhang zwischen Soft Drinks und Typ 2 Diabetes nachgewiesen werden! (JAMA 2004)

 

Was befindet sich in Soft Drinks?
High-Fructose-Corn-Sirup (= 1 Fructose + 1 Glucose, entspricht Rohrzucker also Succrose, das ist ebenfalls aus einem Molekül Glucose und einem Molekül Fructose aufgebaut).
Wichtig: vor allem Fructose ist ein Gift für den Körper.
Es geht nicht um die Kalorien, sondern um die Fructose!
Durch die Zunahme der Zuckerverarbeitung und der Entwicklung von Soft Drinks ist der Verzehr von Zucker deutlich angestiegen. Besonders der Verzehr von Fructose ist stark gestiegen. Der Fettverzehr hat dagegen erstaunlicherweise abgenommen und beweist damit einmal mehr die Unsinnigkeit von low-fat Produkten.

 

 

 

Was ist die Ursache hierfür?
Prof. Lustig spricht hier von den drei politischen Winden:

  1. President Nixon nahm die Food-Issue aus dem Wahlkampfprogramm, indem er die Preise für Essen soweit wie möglich senkte
  2. Die Erfindung vom High-Fructose-Corn-Sirup 1966 in Japan und Markteinführung 1975 in Amerika à seither sind die amerikanischen und auch internationalen Zuckerpreise relativ stabil geblieben (High Fructose Corn Sirup ist billig! Und zwar so billig, dass man es in vielen Produkten findet! In Hamburgern, in Barbecue-Saucen, in Brezeln, Brot, etc. .. also in fast jedem verarbeiteten Essen)
  3. 1970er - American Heart Association, American Food-Association und andere gaben folgende Empfehlung:
    Fettkonsum muss reduziert werden um Herzerkrankungen vorzubeugen
    Grundlage: Fettkonsum (A) führt zu erhöhtem LDL (B), durch erhöhtes LDL gibt es mehr Kardiovaskuläre Erkrankungen (C)
    Kausalkette: A à B à C, und folglich wurde angenommen, dass auch A à zu C führt
    Die Folge: Fettgehalt hat abgenommen, Kohlenhydrate haben zugenommen
    à Mit Fett fehlt auch ein Geschmacksverstärker, stattdessen wird heute Zucker als Geschmacksverstärker hinzugefügt! Zusätzlich wurden immer mehr Ballaststoffe weggelassen.

 

Zuckerkonsum heute:
Ca. 35 kg Zucker verbraucht ein Deutscher pro Jahr, in Amerika sind es bereits über 50 kg pro Kopf pro Jahr, Tendenz steigend.

LDL immer böse?
Es gibt zwei Formen von LDL! Das small-dense-LDL ist das böse LDL, nicht das andere? Entweder muss man beide untersuchen, oder die Aussage ist nicht korrekt!
Small-dense-LDL wird durch Kohlenhydrate vermehrt gebildet!

 

Biochemische Zusammenhänge – Fructose ist nicht dasselbe wie Glucose!!!

  1. Fructose führt bis zu 7mal häufiger zur Bildung von AGE’s (Advanced Glycation End-Products) als Glucose
  2. Fructose führt nicht zu einer Suppression von Ghrelin (= wachstumsanregendes/ appetitanregendes Hormon, das in der Magenschleimhaut produziert wird)
  3. Fructose führt nicht zu einer Ausschüttung von Insulin (oder Leptin)
    à wenn Leptin nicht raufgeht merkt der Körper nicht, dass wir etwas gegessen haben!
  4. Hepatische Fructose-Metabolisierung ist anders als die Metabolisierung von Glucose
  5. Chronische Exposition gegenüber Fructose führt zum Metabolischen Syndrom!

 

 

Was passiert in unserem Körper, wenn wir verschiedene Kohlenhydrate zu uns nehmen?

Beispiel: 120 g Kohlenhydrate

120 Gramm Glucose (z.B. zwei Scheiben Weißbrot)
à davon landen ca. 24 Kalorien Glucose in der Leber, dieser werden dann in Glykogen umgebaucht und in der Leber gespeichert; Glykogen wird aus der Leber auf Hormonstimulation freigesetzt;
Die Speicherung von Glykogen in der Leber ist nicht-toxisch! Eine Überladung an Glucose ist also nicht toxisch bzw. führt nicht zu Leberversagen!
Im Metabolisierungsweg wird auch LDL gebildet, allerdings führt Glucose nur zu einem sehr kleinen Anteil von LDL!


120 Gramm Alkohol
à davon landen 96 Kalorien in der Leben, dadurch läuft der Citratcylus auf Hochtouren und es wird vermehrt VLDL gebildet, die Leber bildet also vermehrt Fett, welches der Körper wieder versucht aus der Leber zu entfernen:
Wir wissen, dass Alkohol auch im Gehirn metabolisiert werden kann und für den Körper ein Gift ist!

120 Gramm Fruktose (z.B. 1 Glas Orangensaft)
Fruktose besteht zur Hälfte aus Fruktose zur anderen Hälfte aus Glucose. Davon werden 60 kcal Fruktose (plus 12kcal Glucose) in der Leber metabolisiert. Die komplette Fruktose wird also in der Leber metabolisiert, da die Leber als einziges Organ Fruktose metabolisieren kann!!

Fruktose kommt in die Leberzelle und wird durch die Fruktokinase phosphoryliert, im Gegensatz zu 120 g Glucose (24kcal) müssen hier nun 72 kcal phosphoryliert (60kcal Fruktose + 12 kcal Glucose) werden.
à Dieser Vorgang führt zu einem hohen Phosphatverlust und damit über mehrere Schritte zur Bildung von Harnsäure
à Harnsäure wird über den Urin ausgeschieden, bei zu hohen Konzentrationen kann der Körper allerdings nicht mehr alles ausscheiden und es kann zur Entstehung von Gicht, erhöhten Blutfettwerten und sogar zur Entstehung von Bluthochdruck führen!
Erklärung: Harnsäure blockiert das Enzym Endothelial-Nitric-Oxid-Synthase (=Stickstoffmonooxid-Synthase) à dieses produziert NO und ist damit an der Regulierung des Gefäßtonus beteiligt
à Durch den Fruktoseabbau kann also kein NO mehr gebildet werden, damit steigt der Blutdruck!

Studien belegen den Zusammenhang von hohem Fruktosekonsum und Gicht bei Erwachsenen, sowie einen Zusammenhang von Harnsäure und Bluthochdruck!
Es gibt sogar eine Studie, die eine Blutdrucksenkung durch Allopurinol-Therapie nachweisen konnte!
Dieses Medikament nimmt man normalerweise zur Therapie der Gicht!

Es geht sogar noch weiter:
Fruktose fördert in der Leber über die Bildung von Xylose -5 – Phosphat die Dyslipidämie,
Fruktose führt zu einer deutlich gesteigerten de-novo-Lipogenese (die Neubildung von Fett) und erhöht den Anteil der Triglyceride (Bluttfettwerte steigen), ein Effekt der bei Glukose nicht beobachtet werden kann!
Man kann sogar so weit gehen, dass man sagt der Verzehr von Fruktose entspricht dem Konsum von Fett!

Darüber hinaus führt Fruktose zu einer Insulinresistenz der Leber und darüber zu einer Leberverfettung, einer gesteigerten Insulinproduktion usw. …

 

Die schädigende Wirkung ist fast komplett identisch mit der Wirkung von Alkohol! Es gibt kaum einen Unterschied zwischen einer Dose Cola und einer Dose Bier!!!
Fruktose ist Alkohol nur ohne den Kick!!!

Fruktose wird metabolisiert wie Fett und der größte Anteil wird zu Fett verstoffwechselt!

Fruktose ist genauso wie Alkohol ein Toxin!

 

In Sportgetränken findet sich häufig High-Fructose-Corn-Sirup
Wenn Marathonläufer ihr Glykogenreservoir der Leber aufgebraucht haben, kann das durch einen Drink mit Fructose schneller wieder aufgefüllt werden als durch Glucose. Hier macht es also Sinn.
ABER: Die Frage ist, wer trinkt noch alles Sportdrinks? Ebenfalls viele Kinder!! Es schmeckt gut, ist süss und natürlich cool J

 

 

Lifestyle- Intervention (aus der Klinik)

  • Keine zuckerhaltigen Getränke!! Wasser oder Milch sind ok
  • Kohlenhydrate nur zusammen mit Ballaststoffen!
  • 20 Minuten warten bevor man sich eine zweite Portion auf den Teller lädt oder erneut etwas isst
  • Fernsehschauen oder Computerspielen wird Minute für Minute mit körperlicher Aktivität ausgeglichen, d.h. wer eine halbe Stunde fernsieht kann auch eine halbe Stunde Sport machen!

 

Warum ist Sport und Bewegung wichtig?

  • Erhöht die Sensitivität der Muskelzellen für Insulin
  • Reduziert Stress, wenn Stress runter geht sinkt i.d.R. auch der Appetit
  • Es führt zu einem schnelleren Ablauf des Triglycerid-Zyklus und führt zur Detoxifikation von Fruktose und verbessert die hepatische Insulinsensitivität

 

Die Bedeutung von Ballaststoffen:
Obst ist natürlich ok! Es ist kombiniert mit vielen Ballaststoffen, die der Körper braucht und enthält darüber hinaus viele Mineralstoffe und Vitamine!

  • Ballaststoffe reduzieren die intestinale Kohlenhydrataufnahme und die Insulinausschüttung
  • Führt zu einem schnelleren Transport der Nahrung in das Ileum und führt über Signalwege zu einem schnelleren Sattheitsgefühl
  • Inhibiert die Absorption freier Fettsäuren, die durch Kolon-Bakterien in short-fatty-acids umgewandelt werden, welche wiederum Insulin supprimieren
    à wichtiger Nahrungsbestandteil bei Typ 2 Diabetes!!

 

 

Zusammenfassung

  • Fruktose (egal ob Saccharose/Rohrzucker oder HFCS)- Verzehr ist in den letzten 30 Jahren deutlich angestiegen, in Korrelation mit unserer epidemischen Übergewichtigkeit
  • Kalorie ist nicht gleich Kalorie!!! Fruktose ist nicht dasselbe wie Glukose!!!
    Wenn man von Kalorien ausgehen würde, dann müsste man annehmen, dass die Theorie von weniger Essen und mehr Sport stimmt. Tut sie aber nicht! Nicht jede Kalorie wird auf die gleiche Weise verstoffwechselt!
  • You are not what you eat!!! You are what you do with what you eat!!!
  • Die hepatische Metabolisierung von Fruktose kann zu allen Erscheinungsbildern des metabolischen Syndroms führen!!!
    à Hypertension
    à Dyslipidämie, Leberverfettung (Steatosis hepatis), de-novo-Lipogenese
    à Entzündung
    à hepatische Insulinresistenz
    à Fettleibigkeit
    à Leptin-Resistenz im Gehirn, damit umso mehr Nahrungsaufnahme
  • Die Einnahme von Fruktose interferiert mit Diäten und Abnehmeprogrammen, welche auf Fett weitgehend verzichten und stattdessen den Kohlenhydratkonsum hochschrauben.
  • Fruktose ist ein chronisches Leber-Toxin (es ist der Alkohol, nur ohne den Kick! à im Gegensatz zu Alkohol wird Fruktose NICHT vom Gehirn metabolisiert und hat hier auch keine Effekte!), die FDA (Food and Drug Administration) kann und wird nichts dagegen unternehmen!!