Erklärt man Kindern, sie könnten "Helfer sein", sind sie tatsächlich hilfsbereiter, als wenn man ihnen vorschlägt zu "helfen". Forscher um Christopher Bryan von der University of California in San Diego boten Drei- bis Sechsjährigen verschiedene Möglichkeiten an, einem Erwachsenen zur Hand zu gehen – etwa beim Einsammeln von Buntstiften. Kinder, denen sie zuvor gesagt hatten, sie könnten "Helfer sein", waren nun öfter bereit, ihr Spiel zu unterbrechen, als wenn in dem Gespräch nur von "helfen" die Rede gewesen war.

Aktive Gestaltung der Identität

Der vermutete Grund: Das Nomen "Helfer" verknüpfen die Kinder stärker mit ihrer Persönlichkeit, so die Forscher. Das Helfen erscheine dann nicht als einmaliger Akt, sondern als Ausdruck des Charakters.

Ähnliches kennt man auch von Erwachsenen: Fragt man, wie wichtig es ist, "Wähler zu sein", geben sie mit größerer Wahrscheinlichkeit ihre Stimme ab, als wenn man sich nach der Bedeutung des "Wählens" erkundigte. Allerdings fördert der Nominalstil nur Verhalten, das als positiv gilt: "Betrüger sein" wollen Menschen weniger als "betrügen".

Offenbar sind bereits Vorschulkinder in der Lage, ihre Identität durch das eigene Handeln zu gestalten. Mit ihrer Wortwahl können Eltern beeinflussen, wie ein Kind seine Persönlichkeit einschätzt: Bezeichnen sie ihren Spross zum Beispiel als "Sportler" und betonen außerdem, dass er "ein Instrument spielt", identifiziert sich der Nachwuchs über den Sport, während er das Musizieren als bloßes Tun wahrnimmt.

Vorsicht geboten ist dagegen bei Urteilen wie "Du bist ein guter Sportler". Hier kann das Nomen Kinder sogar verunsichern. Beim Loben scheint es daher sinnvoller zu sein, sich auf die Tätigkeit zu beziehen.

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